Das Klinische Krebsregister Niedersachsen arbeitet seit dem 1. Dezember 2017 als selbstständige Rechtspersönlichkeit in der Form einer Anstalt öffentlichen Rechts. Seit dem 1. Juli 2018 läuft der Echtbetrieb. Das bedeutet, dass Melderinnen/Melder sich für das Melderportal laufend registrieren können und das KKN seinen Betrieb aufgenommen hat. Auf dieser Seite finden Sie erste Antworten auf die wichtigsten und am häufigsten gestellten Fragen.

Beim KKN sollen die Meldungen künftig im webbasierten Melderportal elektronisch erfasst werden.

Das bedeutet folgende Änderungen:

Zwischen dem bereits bestehenden Epidemiologischen Krebsregister Niedersachsen (EKN) und dem KKN erfolgt über eine gemeinsame Datenannahmestelle eine enge Zusammenarbeit, so dass nur eine Meldung für beide Register übermittelt werden muss.

Alle Meldungen, die bis dahin an die Vertrauensstelle des EKN gemeldet wurden, müssen nun an das KKN über das webbasierte Melderportal entweder per Schnittstelle oder per Einzelerfassung gemeldet werden. Die Meldepflicht an das EKN gilt damit im Regelfall als erfüllt.

Die bislang über ONkeyLINE bei der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) geführte standardisierte Dokumentation der Krankheitsverläufe entfällt zukünftig. Mit Fragen zu ONkeyLINE wenden Sie sich bitte ausschließlich an die KVN.

Ärztinnen/Ärzte, die unter die Meldepflicht fallen, werden 2018 ihren Meldeweg umstellen müssen. Bei hohem Meldeaufkommen empfiehlt sich die Nutzung einer ADT/GEKID-Schnittstelle, die für Arztinformationssysteme (AIS) einiger Softwareanbieter bereits entwickelt wurde. Selbstverständlich kann im Melderportal weiterhin, wie bei bislang gewohnt, auch eine Einzelfallerfassung in elektronische Meldeformulare erfolgen.

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Wer ist meldepflichtig?

Ärztinnen/Ärzte und Zahnärztinnen/Zahnärzte in Niedersachsen, die eine Patientin/einen Patienten*

  • wegen einer bösartigen Tumorerkrankung einschließlich der Frühstadien oder
  • wegen eines gutartigen Tumors des zentralen Nervensystems

diagnostizieren oder diagnostiziert haben oder behandeln oder behandelt haben.

Die Meldepflicht kann einer kooperierenden Einrichtung übertragen oder bei mehreren Meldepflichtigen in einer Institution durch einen zu benennenden Verantwortlichen erfüllt werden.

Die epidemiologische Meldepflicht wird durch die Meldung an das KKN erfüllt.

*Patientinnen/Patienten sind nach der Definition des Gesetzes über das Klinische Krebsregister Niedersachsen betroffene Personen, die in Niedersachsen ihre Hauptwohnung haben oder gehabt haben oder in Niedersachsen behandelt werden oder behandelt wurden.

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Meldepflicht: Wer muss melden?

Jede Ärztin/jeder Arzt und jede Zahnärztin/jeder Zahnarzt, die/der in der onkologischen Versorgung tätig ist, das heißt entweder eine bösartige Tumorerkrankung oder eine gutartige Tumorerkrankung des ZNS diagnostiziert, behandelt oder eine Statusänderung im Verlauf inklusive Tod durch die Tumorerkrankung diagnostiziert, ist meldepflichtig.

Im ambulanten Sektor muss jede/jeder Meldepflichtige sich als Melderin/Melder im KKN registrieren.

Für den stationären Sektor gelten gesonderte Regeln, da aufgrund der hohen Anzahl von ärztlichen Mitarbeiterinnen/ Mitarbeitern und der zu erwartenden Fluktuation eine Registrierung auf Ärztinnen-/Arztebene nicht praktikabel erscheint. Daher gilt die/der entsprechende Chefärztin/Chefarzt als organisatorisch verantwortlich für die Erfüllung der Meldepflicht in ihrer/seiner Abteilung und muss sich im KKN registrieren.

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Wie kann die Meldepflicht erfüllt werden? | Registrierung und Meldewege

  • Beim KKN werden die Meldungen in einem webbasierten Melderportal elektronisch erfasst – entweder per Einzelfallerfassung über entsprechende elektronische Meldeformulare oder per Schnittstelle; auch die Registrierung der Meldenden erfolgt über das Melderportal.
  • Zunächst muss sich die jeweilige Ärztin/der jeweilige Arzt oder die Zahnärztin/der Zahnarzt beim KKN über das Melderportal registrieren lassen und einen Zugang beantragen. Registrierungen werden ab Juni 2018 über die KKN-Webseite möglich sein.
  • Sobald die Ärztin/der Arzt alle Zugangsdaten erhalten hat, kann sie/er weitere Nutzerinnen/Nutzer, beispielsweise eine beauftragte ärztliche Kollegin/einen beauftragten ärztlichen Kollegen und/oder eine Dokumentationskraft, unter ihrer/seiner Melder-ID anmelden, die dann die Meldepflicht praktisch erfüllen kann.

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Was ist meldepflichtig?

  • Hinreichend gesicherte Diagnose einer Krebserkrankung
  • Histopathologische, zytologische, molekularpathologische oder autoptische Sicherung der Diagnose
  • Beginn und Abschluss einer therapeutischen Maßnahme
  • Therapierelevante Änderung im Erkrankungsverlauf, insbesondere das Wiederauftreten der zu behandelnden Krebserkrankung
  • Tod der Patientin/des Patienten durch eine Tumorerkrankung

Ausnahmen sind:

  • Kinder unter 18 Jahren
  • nicht-melanotischer Hautkrebs (C44, D04)

Folie Meldepflichtige Erkrankungen

Folie Meldepflicht Meldeberechtigung

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Welche Meldefristen sind einzuhalten?

Die Melderin/der Melder muss innerhalb von zwei Wochen, nachdem der Meldeanlass ihr/ihm bekannt geworden ist, melden.

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Wird die Meldung vergütet?

Ja. Für jede vollständige Meldung zu den vorgegebenen Meldeanlässen, die über den vorgesehenen Meldeweg erfolgt, wird eine Meldevergütung als Aufwandsentschädigung gezahlt

  • an Ärztinnen/Ärzte, die direkt an das Melderportal oder über eine Schnittstelle melden und nicht anderweitig eine Meldevergütung oder Aufwandsentschädigung für die Meldung erhalten
  • an kooperierende Einrichtungen, die die Meldepflicht für die Ärztin/den Arzt erfüllen.

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Welche Meldungen werden vergütet?

Jede inhaltneue vollständige Meldung gemäß der vorgegebenen Meldeanlässen, die vom KKN angenommen, verarbeitet und als vergütungsrelevant bewertet wurde, vergütet das KKN dem meldenden Arzt beziehungsweise der meldenden Einrichtung.

Eine vollständige Meldung am Beispiel der Diagnosemeldung:
Folgende Angaben sind anzugeben:

  • Person (Name, Geschlecht, Geburtsdatum)
  • Versichertennummer, Krankenkasse
  • Meldende Institution
  • Tumordiagnose, Diagnosedatum, Hauptlokalisation (Freitextangabe, optional ICD-O)
  • Klinisches Tumorstadium

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Wie wird gemeldet?

Der Meldeweg erfolgt ausschließlich elektronisch über das Melderportal.

Die Anleitung zur Registrierung im Mederportal können Sie hier herunterladen.

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Müssen Betroffene für eine Meldung aufgeklärt werden?

Um Meldungen bei Meldepflicht an das KKN zu übermitteln, reicht eine Information der/des Betroffenen aus. Diese sollte vor dem Übermitteln der Meldung erfolgen.

Eine Ausnahme bildet hier die Gruppe der Pathologinnen/Pathologen, da sie keinen Kontakt zu Betroffenen haben.

Die Information darf nur unterbleiben, wenn die Betroffenen über ihre Tumorerkrankung aufgrund zu befürchtender gesundheitlicher Nachteile nicht aufgeklärt wurden.

Für alle Meldeberechtigungen wie die Übermittlung von Daten für eine Tumorkonferenz oder das Ergebnis unauffälliger Nachsorgeuntersuchungen muss eine Einwilligung der Betroffenen eingeholt werden. Daher empfiehlt es sich, alle Betroffenen vorab einwilligen zu lassen. Dazu stellt das KKN ein entsprechendes Formular zur Verfügung (Patienteninformation).

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Welche Rechte hat die Patientin/der Patient beim KKN?

Recht auf Information
Betroffene müssen über die Meldung ans KKN informiert und unterrichtet werden. Die Pflicht zur Patienteninformation liegt bei der Ärztin/bei dem Arzt. Es ist keine schriftliche Einwilligung erforderlich.
Hier können Sie die Patienteninformationen als PDF herunterladen

Recht auf Widerspruch
Betroffene haben das Recht, der Wiedergewinnung ihrer personenidentifizierenden Daten zu widersprechen. Aber es besteht kein Widerspruchsrecht gegen die Verarbeitung und Nutzung der medizinischen und der Abrechnungsdaten.
Hier können Sie das gemeinsame Formular von KKN und EKN zum Patientenwiderspruch als PDF herunterladen

Recht auf Auskunft
Betroffene haben jederzeit ein Recht darauf, zu erfahren, ob und welche Eintragungen zu ihrer Person im KKN gespeichert sind.
Hier können Sie das Formular zur Patientenauskunft als PDF herunterladen

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Widerspruchsrecht mit Einschränkungen

Betroffene haben das Recht, der Wiedergewinnung ihrer personenidentifizierenden Daten zu widersprechen. In bestimmten Fällen ist die Wiedergewinnung der personenidentifizierenden Daten jedoch zulässig, allerdings nur zum Zweck und für die Dauer

  • des Abgleichs einer Meldung in der Datenannahmestelle mit den im Register bereits gespeicherten Erkrankungsfällen mit dem Ziel der sicheren Zuordnung der Meldung zu einer betroffenen Person
  • der Auskunftserteilung an die betroffene Person
  • der Aktualisierung oder Korrektur der Identitätsdaten
  • der Abrechnung.

Nach Abschluss dieser Tätigkeiten werden die Identitätsdaten unverzüglich wieder chiffriert (verschlüsselt).

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Was sind Identitätsdaten?

Identitätsdaten sind folgende, die Identifizierung von Personen ermöglichende Daten:

  • Familienname, Vornamen, frühere Namen, Titel
  • Anschrift
  • Geburtsdatum
  • Krankenversichertennummer

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Was brauchen Sie als Melderin/Melder zur Vorbereitung?

Bei hohem Meldeaufkommen empfiehlt sich die Nutzung einer ADT/GEKID-Schnittstelle, die für Arztinformationssysteme (AIS) einiger Softwareanbieter bereits entwickelt wurde. Selbstverständlich kann im Melderportal weiterhin, wie bei bislang an ONKeyLINE übermittelten Meldungen gewohnt, auch eine Einzelfallerfassung in elektronische Meldeformulare erfolgen.

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Was ändert sich im Vergleich zu ONkeyLINE?

  • Ab dem 01.07.2018 muss die Meldung innerhalb von 14 Tagen nach Bekanntwerden des Meldeanlasses an das KKN übermittelt werden.
  • Meldepflichtig ist nur, wer die Leistung des Meldeanlasses erbracht hat.
  • Die Meldungen können unabhängig vom Vorliegen weiterer Meldungen über eine Betroffene/einen Betroffenen erfolgen. Das bedeutet, eine Therapiemeldung kann übermittelt werden, ohne dass vorher ein so genannter „Erstmeldebogen“ ausgefüllt werden muss.
  • Die unauffällige Nachsorge unterliegt nicht der Meldepflicht, sondern stellt eine Meldeberechtigung dar. Da diese Informationen jedoch von großem Interesse für die klinische Krebsregistrierung sind, darf das KKN diese mit Einwilligung der Betroffenen/des Betroffenen entgegennehmen und einmal jährlich eine Aufwandsentschädigung gemäß einer Verlaufsmeldung auszahlen.
  • Je Meldeanlass kann nur einmalig eine Vergütung ausgezahlt werden.

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Was ist ein klinisches Krebsregister?

Ein klinisches Krebsregister ist keine reine Datenbank, in der die gesammelten Daten einfach nur gespeichert und verwaltet werden. Klinische Krebsregister sind fachlich unabhängige Einrichtungen, die alle wichtigen Daten, die im Verlauf einer Krebsbehandlung anfallen, erfassen, auswerten und an die Leistungserbringer zurückmelden. Sie nehmen die Versorgung der Patienten durch einzelne Leistungserbringer im ambulanten und stationären Sektor in den Blick. Betrachtet wird dabei der gesamte Erkrankungsverlauf eines Patienten von der Diagnose über die einzelnen Therapieschritte bis zum Ende der Nachsorge oder bis zum Tod – einschließlich auftretender Rückfälle. Mit den Daten und deren Rückspiegelung sollen Optimierungspotentiale aufgedeckt und Qualitätsverbesserungen angestoßen werden.

Durch die lückenlose Erfassung des Erkrankungs- und Behandlungsverlaufs entsteht auf lange Sicht eine „sprechende“ Datenbank, die als Grundlage für eine transparente und sektorenübergreifende Darstellung der onkologischen Versorgungsqualität auf Landes- und Bundesebene dienen soll.